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NBA Finals 2013: Die Probleme der Big Three aus Texas

10. Juni 2013

 

[dropcap style=“font-size: 60px; color: #9b9b9b;“] S[/dropcap]piel zwei der Finals 2013 ist gespielt. Es war eine Partie, die sich komisch anfühlte (Was war mit LeBron?, etc.), mehr Fragen aufwarf, als sie nach 48 Minuten beantwortete.

Über die Änderungen der Miami Heat, die komplett unterbewertete Leistung von Mario Chalmers, LeBron James merkwürdige erste Hälfte, den 33-5-Run sowie die Prognose zu Spiel drei, darüber wird es morgen im Podcast gehen.

An dieser Stelle soll es um die San Antonio Spurs gehen. Was lief da falsch? Was war anders von Spiel eins zu Spiel zwei?

Blicken wir zunächst auf die nackten Zahlen. Und zwar die Stats von mysynergysports.com. Diese Website zählt nicht Punkte, Rebounds oder Assists, sondern die Arten der Abschlüsse eines Ballbesitzes. Also etwa wie viele Ballbesitze vom Ballführenden nach einem Pick-and-Roll abgeschlossen werden oder von einem Spieler in Folge eines Post-ups:

SYNERGY_1_2

Legende: PPP – Punkte pro Abschluss, FGM – Getroffene Feldwürfe, FGA – Versuchte Feldwürfe, TO% – Turnover in Prozent, Score% – Abschluss führte zu Punkten in Prozent

Beim Studium dieser Zahlen, fallen folgende Dinge auf:

  • Die Spurs hatten in Spiel zwei viel mehr Abschlüsse vom Ballführenden nach dem Pick-and-Roll. Die Wurfquote war dabei sehr gut, die Zahl der Ballverluste jedoch katastrophal. Letzteres galt auch für die Abschlüsse nach Isolationen. Mehr ist hier weniger …
  • Aus dem Post-up bekamen die Spurs wenig bis gar nichts.
  • In Spiel eins kamen viel weniger Würfe vom Ballführenden aus dem Pick-and-Roll und dafür für ein Drittel aller Abschlüsse per Sprungwurf aus dem Catch-and-Shoot.

Was das alles bedeutet? In der ersten Begegnung attackierte San Antonio die Defense Miamis, spielte aber – sobald sich der Gegner formiert hatte – clever den Ball weiter zu den Schützen auf der ballfernen Seite. Miami hatte die Wahl: Entweder die Big Three eins-gegen-eins verteidigen oder Hilfe schicken und so den Schützen Freiräume bieten.

In Spiel zwei ging dieses Entweder-Oder unter anderem nicht auf, weil die Big Three San Antonios so schlecht spielten wie schon lange nicht mehr …

Tony Parker

Zum Auftakt hatte der Franzose noch dominiert. Er strafte aggressives Doppeln nach dem Pick-and-Roll, indem es ihm immer wieder gelang, zwischen den beiden heran stürmenden Verteidigern hindurch in die Zone zu dribbeln. Sank der Mann des Blockstellers ab, setzte Parker den Mitteldistanzwurf. Eröffnete sich für ihn selbst keine Chance, spielte er den Ball clever weiter, so dass der Druck der Heat verpuffte. Er leistete sich keinen einzigen Turnover.

In Spiel zwei war davon nur in Ansätzen etwas zu sehen. Die Heat sprangen nicht mehr kopflos mit zwei Akteuren auf den Point Guard San Antonios zu. Der größere Verteidiger hielt intelligent Abstand, ohne den Wurf zuzulassen, bis Parkers Mann sich um den Block gekämpft hatte. Erst dann stieg der Druck.

Parker reagierte unerklärlicherweise mit extrem schlechten Anspielen. Vier seiner fünf Ballverluste waren Fehlpässe – drei davon spielte er gegen die Beine der Konkurrenz.

Auffällig war in diesen Szenen, dass die Spurs im Gegensatz zur ersten Partie weniger aus dem Horns-Set agierten. Bei dieser Aufstellung beginnen beide Big Man oben an den Dreierlinie, Parker kann Blöcken von beiden oder eben nur einen nutzen, um zur Seite zu dribbeln. Einer der beiden Langen rollt nach dieser Aktion in den Lowpost oder die Zonenmitte ab, der andere nach draußen an die Dreierlinie. Genau letzteren – dort eigentlich ungefährlichen – Mitspieler fand Parker in der ersten Partie oft. Folge: Der Ball wechselte schnell die Seite, Miami musste defensiv hart arbeiten. Es ist zu erwarten, dass es davon in Spiel drei wieder mehr zu sehen geben wird.

Wenn es um Parker geht, darf aber Mario Chalmers nicht vergessen werden. Der Point Guard der Heat machte gegen den Franzosen einen exzellenten Job und sorgte im Angriff dafür, dass sein All-Star-Kontrahent hinten mehr arbeiten musste, als ihm lieb war.

Alles in allem war Spiel zwei ein perfekter Sturm im negativsten Sinne für Parker. Die Defensive der Heat reagierte viel besser auf seine Aktionen, die Spurs liefen stellenweise nicht die idealen Plays, schließlich erwischte Parker selbst einfach einen schlechten Tag.

Tim Duncan

Im Podcast nach Spiel wurden bereits die eingeschränkten Offensivmöglichkeiten Duncans thematisiert. Die zweite Partie illustrierte dies abermals. Der beste Power Forward aller Zeiten hatte im Lowpost keine Wirkung. Aus sieben Post-ups nahm Duncan Abschlüsse. Das Resultat: Ein Dunk, ein Foul gezogen sowie fünf Fehlversuche, von denen keiner aussah, als dürfte irgendwer überrascht sein, wenn der Ball nicht in den Korb fällt.

Duncan hat keinen „Lift“ mehr wie die Amerikaner sagen. Seinen Sprungwurf nimmt er, fast ohne zu springen, schlimmer noch: Es gelang ihm beim Aufposten kaum, sich mit dem Dribbling an seinem Verteidiger vorbei zu oder diesen rücklings in die Zone zu schieben.

Duncans sechs Punkte aus dem Feld (er verwandelte drei Freiwürfe) erzielte er wie folgt:

  • Sprungwurf von der Freiwurlinie, nachdem Udonis Haslem fälschlicherweise bei Tiago Splitter aushalf, obwohl das LeBron James Aufgabe war.
  • Per Hakenwurf/Korbleger nach Wurffinte und Drive von der Freiwurflinie.
  • Per Dunk nach Pass/Geniestreich von Manu Ginobili, der erkannte, dass Duncans Gegenspieler Bosh ihn „zu hoch“ verteidigte und die Hilfe auf der Weakside nicht stand.

Dass Duncan seine eigene Offensive nicht in Gang bringen konnte, ist eine Sache. Dass er aber – im Gegensatz zum Auftakt – auch nicht als Playmaker vom Highpost in Erscheinung trat, eine andere … schwerwiegendere.

Vor allem wenn Parkers Räume so eng gemacht werden, brauchen die San Antonio Spurs einen zweiten Ruhepol im Angriff, der die Defense Miami mit smarten Pässen bestraft.

Manu Ginobili

Der Argentinier war schon immer ein „Nein, nein, nein … oh F*CK JA!“-Spieler. Einer der spektakulär bis wilde Aktionen bringt, die die eigenen Anhänger ekstatisch aus den Sitzen reißen oder sie eben vollkommen entgeistert die Kinnladen fallen lassen.

In Spiel zwei überwog die Wildheit nicht nur, es schien, als sei jeder Pass Ginobilis um die 50 Prozent zu riskant, als sei jedes Dribbling hinter dem Rücken zum Scheitern verurteilt. Wo die Spurs an einem der schwächeren Abende Parkers einen sicheren Dribbler gebraucht hätten, bekamen sie einen Ginobili, der dribbelte, als hätten ihn die Monstars seines Ballhandlings beraubt.

Ginobili kommt im System der Spurs seit je her eine besondere Bedeutung zu. Er ist de facto Parkers Backup auf der Eins, seine Drives und Eingebungen in Sachen Pass sind essentiell. Sein Fünf-Punkte-Stinker in Spiel zwei kam da zur denkbar ungünstigsten Zeit.

Insgesamt lieferten die Big Three zehn Treffer bei 33 Wurfversuchen aus dem Feld plus neun Ballverluste. Schlimmer noch: Ihr Kollektivausfall kam in einer Partie, in der ihre Rollenspielerkollegen Danny Green und Gary Neal (zusammen 7/8 Dreier) sie bis ins dritte Viertel auf Schlagdistanz hielten.

Fazit

Diese Spurs haben keine Chance, wenn Duncan nicht vom High- oder Lowpost für Offensive sorgt – niemand anders kann das in diesem Kader leisten. Zudem müssen seine Star-Guard-Kollegen konstant dafür sorgen, dass die Defense sie mit zwei oder drei Gegenspielern verteidigt – denn das führt für eine Körbe der Kollegen Distanzschützen.

Na ja und dann wäre da auch noch die eigene Verteidigung, die Coach Gregg Popovich so richtig ankotzte … Aber darüber dann mehr im nächsten Podcast …

by Dré