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EuroBasket Finale: Spanien vs Litauen

20. September 2015 by

„Jede Goldmedaille ist etwas Besonderes“ – nicht nur für Pau Gasol wäre der Sieg im EuroBasket-Finale ein großer Erfolg. Von ursprünglich 24 Teams sind nur Spanien und Litauen übrig geblieben, sie kämpfen in Lille um die kontinentale Vorherrschaft – zwei Mannschaften, die vor einer Woche niemand wirklich auf der Rechnung hatte. Es wird das zehnte direkte Duell dieser Basketball-Schwergewichte. Spanien hat sieben von bisher neun für sich entschieden, gilt auch am Sonntag als leicht favorisiert… vor allem natürlich wegen Gasol.  

Text: Seb Dumitru

Wenn am Sonntag Abend im umgebauten und rekordträchtigen Stade Pierre Mauroy Stadion der Molten hochgetippt wird, werden weder Frankreich noch Serbien auf dem Parkett stehen. Beide Mannschaften waren ungeschlagen und als große Favoriten in ihre jeweiligen Halbfinals gegangen. Spanien und Litauen sollten nur die letzten Prüfsteine auf dem Weg ins kollektiv antizipierte Endspiel und zur direkten Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 sein. Sie wurden statt dessen zu Stolpersteinen.

Während der ernüchterte Titelverteidiger (Frankreich) und Vizeweltmeister (Serbien) am frühen Nachmittag vor 27000 Fans nur um belangloses Bronze kämpfen, bereiten sich hinter und unter den spärlich aufgebauten FIBA Kulissen zwei Mannschaften auf „Primetime” vor, die sowohl ihre eigenen Erwartungen als auch die aller Fans und Experten übertroffen haben.

„Damit konnten wir wirklich nicht rechnen”, macht Spaniens Head Coach Sergio Scariolo keinen Hehl aus seiner Überraschung. „Wenn wir aber schon mal hier sind, dann wollen wir die Mission auch beenden.” Es ist das selbe Statement wie auf der Gegenseite das von Jonas Valanciunas, der Litauen zu seinem größten Erfolg seit der EM 2003 führen will. Damals, in Schweden, gewannen die Balten Gold. Der Gegner im Finale? Spanien.

Valanciunas spielt bisher ein überragendes Turnier, sticht aus dem Kader von Jonas Kazlauskas mit durchschnittlich 16,9 Punkten, 8,3 Rebounds (Turnier-Rang 5) und 1,6 Blocks (4.) heraus. Im Halbfinale gegen Serbien war der Center der Toronto Raptors größter Garant für den 67-64 Sieg gegen die Serben. „JV” neutralisierte die Halbfeldbemühungen der bis dahin besten Offensive durch seine physische Präsenz und NBA-Härte unter den Körben.

Will Litauen auf’s oberste Treppchen, braucht es am Sonntag ein Valanciunas „da capo” – trotz eines Jonas Maciulis (mit 2,0 Steals pro Spiel der beste Balldieb im Turnier) und Mantas Kalnietis (bester Assistgeber mit 8,0 APG). Valanciunas’ Tagesaufgabe ist eine monströse, vielleicht sogar unmögliche: er soll den besten und wertvollsten Spieler dieser EuroBasket eindämmen.

 

Pau Gasol spielt Basketball von einem anderen Stern, dominiert den Wettbewerb mit 25,6 Punkten (Rang 1), 8,4 Rebounds (4.) und 2,3 Blocks (1.) pro Partie bei 58,6 Prozent aus dem Feld. Seine 40 Punkte und 11 Rebounds gegen Frankreich im Klassiker am Donnerstag – der Stoff aus dem Legenden gemacht werden.

Gasol trägt dieses dezimierte spanische Team schon seit zwei Wochen, seit der Auftaktniederlage gegen Serbien in Berlin. Dort verlor „La Roja” zwei seiner ersten vier Partien, war nur einen erfolgreichen Dennis Schröder Freiwurf von der Verlängerung gegen Deutschland und einem möglichen Ausscheiden in der Vorrunde entfernt. Spanien machte trotz des lange effizientesten Angriffs der EM nie den Eindruck, als würde es am Ende irgend etwas mit der Medaillenvergabe zu tun haben.

Zu volatil, zu durchschnittlich, zu unbeständig präsentierte sich der Rest der Mannschaft hinter Gasol. Zu anfällig die Defensive, zu soft die Bemühungen der Guards, zu durchlässig das Interieur, sobald Gasol mal auf die Bank musste.

Die Fragen der heimischen und internationalen Presse hallten lautstark durch die Katakomben der Mercedes Benz Arena: Hätte Scariolo lieber Serge Ibaka statt Nikola Mirotic (13,3 PPG bei 55% FG) mitnehmen sollen? Waren die Absagen von Marc Gasol, Ricky Rubio, José Calderon und Juan Carlos Navarro zuviel des Guten? Ist selbst Italien, die Heimat von Scariolo, in diesem Jahr die bessere Mannschaft?

„Es kommt bei diesen Turnieren nicht darauf an, welche Mannschaft besser ist, sondern wer am Tag X die bessere Leistung abliefert”, sagt Scariolo. Er muss es wissen, er ist der Vater des Erfolgs. Nicht nur dieser direkt für Rio2016 qualifizierten Truppe, sondern auch als Coach der letzten beiden spanischen Europameisterteams (2009 und 2011).

Im Mai dieses Jahres löste Scariolo den erfolglosen und bei der WM im Vorjahr spektakulär gescheiterten Juan Antonio Orenga ab und übernahm erneut den Nationaltrainerposten. Sein dritter Erfolg im dritten Anlauf scheint vorherbestimmt zu sein – genauso wie Gasols nächste MVP-Performance oder Spaniens nächster Crunchtime-Triumph (drei Siege mit maximal zwei Punkten Vorsprung oder nach Overtime).

 

Litauen, das seinerseits einen beeindruckenden Lauf vorweisen kann – die kleine ehemalige Sowjetrepublik hat seit seiner Unabhängigkeit 1991 jedes olympische Turnier erreicht, steht zum zweiten Mal in Folge im Endspiel und hat bereits drei EM-Goldmedaillen gewonnen – weiß, dass der Kampf gegen Endboss Gasol einer gegen die sprichwörtlichen Windmühlen wird.

Gasol kann aber ruhig dominieren, sagt Trainer Kazlauskas. Er ist nach wie vor überzeugt, dass er das bessere Team coacht: „Litauischer Basketball war schon immer stark – nicht wegen seinen Einzelkönnern, sondern weil das Team im Vordergrund steht.”

Das EuroBasket Finale Spanien – Litauen startet am Sonntag, 20. September, um 19:00 (im LIVE Stream bei telekombasketball.de).


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